VZ-Winterveranstaltung

Für die diesjährige VZ-Winterveranstaltung in Kupferzell konnten wir den GRÜNEN-Politiker Martin Hahn aus dem Bodenseekreis gewinnen. Dieser ist ehemaliger Landwirt und versucht mit seiner Arbeit in der Politik die Stimme der Landwirte mit den aktuellen Belangen einzubringen. Er sieht es als seine Aufgabe in der Partei die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu erklären. Das Problem ist laut Hahn, den hohen Produktionsstandard in Deutschland mit dem vorherrschenden Strukturwandel beibehalten zu können. In der Regionalisierung sieht Hahn die größten Chancen für die heimische Produktion. Diese sollte jedoch mit höheren Erzeugerpreisen einhergehen. Beispielhaft nennt Hahn den Haltungskompass, der vom Lebensmitteleinzelhandel aktuell beworben wird. Jedoch gibt er zu bedenken, dass die Grundlage für die Tierhaltungsstandards aus der Politik kommen müsse und nicht rein aus dem LEH kommen dürfe. Eine Vorreiterrolle nimmt hier für Ihn die Geflügelhaltung ein, bei der nach der gesetzlichen Kennzeichnung eine Verbrauchersicherheit eingekehrt sei und seitdem stabile Tierzahlen zu verzeichnen sind. Zum Thema Kastration in der Schweineproduktion gibt Hahn zu bedenken, dass auf keine weitere Verlängerung gehofft werden sollte und der vierte Weg als Alternative sehr unwahrscheinlich sei. Zum Abschluss mahnte Hahn an, dass es auch Aufgabe der Landwirte sei, aktiv auf die Politik zuzugehen und praktische Erfahrungen zu teilen.

Als zweiter Redner sprach Thomas Els, Marktexperte der AMI. Er berichtete über aktuelle Ernährungstrends. Els zeigte mit seinen interessanten Grafiken aus Verbraucherauswertungen, dass der Verbraucher zwar hohe Anforderungen an die Ernährung und Nahrungsmittelproduktion formuliert, sich aber in der Umsetzung beim Kauf qualitativ hochwertiger Lebensmittel schwertut. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen führen dazu, dass Fleisch zwar seltener im Warenkorb der Verbraucher landet, der Konsum im außer Haus- und im Convenience-Bereich jedoch ansteigt. Darüber hinaus gibt es als Folge der Veränderungen in der Verbraucherschicht gewisse Trends: Grillstücke gewinnen an Bedeutung, wohingegen aufwendiger zubereitende Fleischstücke geringeren Absatz finden. Der online Handel, der sich in vielen anderen Branchen etabliert hat, ist im Lebensmittelbereich anteilig noch verschwindend gering (< 1%). Grund hierfür ist, dass eine entsprechende Vermarktung im Frischebereich derzeit noch schwierig ist. Aktuelle Studien und Analysen zeigen, dass Marketingaktionen auf große Resonanz bei den Verbrauchern stoßen: Auch nur minimale Verringerungen im Preis und entsprechende Werbung sorgen für einen deutlich höheren Absatz der Fleischprodukte. Gleichzeitig ist die Spanne zwischen dem Erzeugerpreis und den Verbraucherpreisen bei Schweinefleisch in den vergangenen Jahren größer geworden, wohingegen diese beim Rindfleisch eher auf gleichem Niveau geblieben ist. Der Geflügelbereich hat es hingegen geschafft, die Spanne zwischen den Preisen zu verkleinern und damit den Erlös für den Landwirt zu erhöhen.  Abschließend beschreibt Els, dass das Haushaltsbudget wesentlichen Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten hat und somit Grenzen für die Lebensmittelausgaben definiert.

Dr. Sebastian Hill, Geschäftsführer der Viehzentrale Südwest GmbH, berichtete über die aktuellen Themen der VZ. Dabei ging er auf den vom LEH initiierten Haltungskompass ein, bei dem die Produkte in 4 Stufen eingeordnet werden. Um den LEH mit den entsprechenden Tieren bedienen zu können, die passend zur jeweiligen Stufe gehalten werden, ist eine gute Datenbasis und Software notwendig. Das Know-How zur Software und Datenerhebung hat sich die VZ zur Verantwortung gemacht. Unerlässlich ist, dass mit Hilfe der Landwirte Produktionsdaten erhoben und von der genossenschaftlichen Erzeugerorganisation verwaltet werden. Hill stellt die Qualitätsprogramme der VZ-Gruppe vor, welche mit einer Vertragsbindung einhergehen. Trotz gefühltem Verlust der Flexibilität, sieht Hill die Vorteile überwiegen, welche seiner Ansicht nach unter anderem in garantierter Abnahme, transparenter Preisfindung und zuverlässiger Betreuung zu sehen sind.

Aus aktuellem Anlass stellte Dr. Holger Mathiak, Geschäftsführer der KälberKontorSüd, kurz die Situation am Kälbermarkt vor dem Hintergrund der Blauzungenkrankheit vor: Der Druck auf die Märkte ist durch die Restriktionsgebiete Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern, immens. Mathiak betonte, dass die Krankheit hierzulande bisher wenig bis keine klinischen Symptome zeigte, sondern durch Routine-Blutkontrollen festgestellt wurde. Die Vermarktung von Kälbern aus nicht geimpften Muttertieren ist aus jetziger Sicher nur noch bis zum 31. März nach negativer Blutuntersuchung und mit Repellentbehandlung möglich. Die Landwirte reagieren mit Impfung, wobei eine Impfung auch gegen BTV-Typ 4, welches in Italien und Schweiz vorherrschend ist, sinnvoll ist. Beim Preisverfall der Kälber scheint derzeit der Tiefpunkt erreicht zu sein, wobei weitere Entwicklungen abzuwarten sind.